Thomas Penninger

Braucht man Social Media als Musiker?

Social Media ist das Outlet und Sprachrohr für berühmte Persönlichkeiten, Kreative, Künstler und eigentlich jeden, der irgendetwas zu sagen, schreiben oder auszudrücken hat.

Warum verwende gerade ich als Musiker kein Social Media?

Das hat 3 Gründe und davon erzähle ich heute in diesem Beitrag. Gerade der 3. Punkt ist wirklich von großer Bedeutung.

Zuallererst müssen wir klarstellen, was verstehe ich unter „Social Media“?

Ich persönlich sehe grundsätzlich einen Unterschied zu Youtube und Plattformen wo es viel mehr um die kurzfristige Aufmerksamkeitsspanne geht wie Instagram, Tiktok und Twitter, mit Abstrichen Snapchat, Facebook, wobei das gerade von jüngeren kaum noch verwendet wird.

Ich selber nutze Youtube als Konsument sehr sporadisch, habe gerade mal 4 Kanäle abonniert, die maximal einmal pro Woche uploaden. Ansonsten eigentlich nur für so Dinge wie Fußballhighlights.

Dass natürlich Youtube, das ja zu Google bzw. Alphabet gehört – und das ist nicht erst seit der Netflix Doku Social Dilemma bekannt – auf jeden Fall auch zu den schwarzen Schafen gehört und jeder der dort konsumiert oder Content erstellt praktisch einen Pakt mit dem Teufel schließt, das ist mir klar. Das Bewusstsein dafür hilft zumindest schon etwas fürs eigene Gewissen.

Jedenfalls geht es ja grundsätzlich mehr um meinen Bezug als Musiker zu den sozialen Medien, also vorrangig darum Content also Inhalte für diverse Plattformen zu erstellen und hochzuladen.

Jetzt wird das von den meisten Menschen oder Musikern so gehandhabt, es wird ja auch von den ganz erfolgreichen so vorgelebt, dass man auf allen nur denkbar verfügbaren Plattformen etwas hochlädt, in der Hoffnung viral zu gehen, sprich, dass irgendein Video, Beitrag oder Tweet von ganz vielen Leuten gesehen wird durch den wunderbaren Algorithmus der jeweiligen Plattform hinaus in die weite Welt verteilt.

Mit dieser Einstellung zu Content Marketing kann ich mich persönlich nicht identifizieren und deshalb habe ich alle meine Accounts kürzlich gelöscht, aktiv war ich sowieso schon lange nicht mehr auf irgendeinem davon.

Nun zu den 3 Gründen warum ich das so handhabe und warum ich diesen verlockenden, populären Trend, der eigentlich mittlerweile die Norm ist, nicht mitgehe:

1. Jack of all Trades, master of none.

Es gibt im Englischen die Phrase oder den Satz Jack of all Trades, Master of none. Heißt auf gut Deutsch „von allem etwas verstehen, nirgendwo ein Meister sein“

So in etwa stelle ich mir das vor, wenn jemand – wahrscheinlich neben seinem Vollzeit Job – versucht auf 5 Social Media Plattformen gleichzeitig Content Marketing zu betreiben und eine Marke aufzubauen.

Grundsätzlich ja ein auf jeden Fall legitimer Ansatz, von den meisten YouTube-Musik-Marketing-Gurus so propagiert, willst du den Kunden oder Fan in dein Ökosystem ziehen. Beispiel: Jemand findet dich auf Tiktok, sieht du hast einen Link in deiner Bio zu Instagram, dort sieht er sich dann Fotos an, in der Instabio hast du einen Link zu deiner neuesten Single auf Spotify und so nimmt es seinen Lauf, du hast mit deinen ganzen Inhalten einen neuen Fan hinzugewonnen, der dich von nun an unterstützt und der dir überall hinfolgt“.

Schön wärs, in der Realität interagieren generell nur rund 10% der Leute die sich etwas ansehen im Internet mit der Plattform selbst. 90% konsumieren still und leise, klicken nie wo drauf und sind nur zum scrollen da um sich abzulenken vom tristen Alltag oder um unterhalten zu werden.

Und um diese 10% davon zu überzeugen, dass sie mit deinen Inhalten interagieren müssen diese qualitativ herausragend sein. Das bedeutet nicht unbedingt, dass sie mit der besten und teuersten Kamera gefilmt sein müssen, im Gegenteil, oft sind die Inhalte die am ehesten Viral gehen und Erfolg haben mit Low Budget Equipment gefilmt. Aber sie müssen etwas besonderes haben. Besonders lustig, besonders emotional mitreißend, die Musik muss richtig richtig gut sein und/oder catchy. Das ist nicht leicht und erfordert Know how, ein gewisses Skillset und Konzentration. Gewissermaßen muss man zum Meister einer Platform werden um diese zu, naja, meistern.

Und darauf will ich hinaus. Wie viele Teilzeit-Musiker und jene die es werden wollen schaffen es wohl tatsächlich auf Instagram jeden Tag supercoole Fotos hochzuladen, nebenbei Stories und Reals zu erstellen, stündlich zu Twittern, für Tiktok tänze und sync Videos zu planen und auf Youtube vielleicht noch Longform Content und schön produzierte Musikvideos für die neue Single herauszubringen. Achja, stimmt, Musik sollte man ja auch noch machen…

Klar, niemand sagt, dass es einfach ist. Die Musiker die heute erfolgreich sind haben alle tonnenweise Arbeit in ihre Karriere gesteckt und dem einen oder anderen gelingt es vielleicht auch wirklich über einen gewissen Zeitraum auf mehreren Plattformen qualitativ akzeptablen Content hochzuladen. 

Ich persönlich verfolge einen anderen Ansatz. Ich konzentriere mich auf meine Musik und auf eine Plattform, in diesem Fall YouTube. Mir ist völlig bewusst, dass gerade Tiktok aktuell eine irrsinnig verlockende Plattform ist wo man schnell organisch Follower bekommen kann. Ob diese dann wirklich zu Fans konvertiert werden können sei dahin gestellt.

Aber ich bin davon überzeugt, dass sich qualitativ hochwertige Inhalte durchsetzen und vor allem Konstanz über einen langen Zeitraum. Organisch und transparent. Das Ziel muss immer eine interagierende, aktive Community sein.

2. Fokus aufs Wesentliche

Der nächste Grund warum ich als Musiker kein Social Media benutze, geht im Grunde Hand in Hand mit dem ersten. Ich möchte mich aufs Wesentliche konzentrieren und das ist die Musik. Um gute Musik zu produzieren muss man konzentriert sein, fokussiert und die nötige Zeit aufwenden um mit Sounds zu experimentieren, genügend gute Takes aufzunehmen und sich stetig verbessern, sei es im Gesang, im Mixen, im Songs schreiben. Oder auch in den Marketingkenntnissen.

Konstant wahllos Social Media Posts zu veröffentlichen gibt einem die perfekte Ausrede produktiv zu sein. In Wahrheit ist man aber schlicht beschäftigt und stiehlt sich selbst die so wichtige Zeit die nötig wäre um an sich selbst, an Musik und an der eigenen Marke zu arbeiten.

Ich wiederhole das kurz, nur weil es so wichtig ist und es sich einbrennen muss, auch bei mir selbst, beschäftigt sein, heißt nicht, dass man produktiv ist.

Ein Plan für die Musikkarriere will gut überlegt sein und niemand von uns hat ewig Zeit, Zeit ist das wertvollste Gut, das wir haben, wenn wir Zeit verschwenden, können wir sie nie wieder zurückgewinnen.

Deshalb gehe ich diese Wette mit den Algorithmen und der Viralität nicht ein, konzentriere mich aufs Wesentliche und produziere aussagekräftige Inhalte auf einer Plattform die mir Spaß macht und die bestmögliche Musik.

3. Geistige Gesundheit

Der dritte Grund warum ich kein Social Media benutze – und das ist auf jeden Fall der wichtigste und bedeutsamste – ist die eigene geistige und seelische Gesundheit.

Die sozialen Medien können unter Umständen krank machen, man vergleicht sich mit anderen, wünscht sich Feedback und erhält keines, oder das Feedback in Form von Dislikes und negativen Kommentaren zerstört einen. Es macht süchtig zu posten, ständig auf sein Handy zu sehen, sinnlos zu scrollen oder Diskussionen mit Fremden anzuzetteln.

Ich muss von Glück sagen, dass ich mich in dieser Hinsicht sehr gut im Griff habe und nicht unbedingt eine Geschichte mit diesen Dingen vorweisen kann, nichtsdestotrotz habe ich in der Vergangenheit auch ab und an den Druck gespürt den die Sozialen Medien auf einen vor allem als Kreativer haben können. Man erlegt sich selber einen unglaublichen Druck ständig posten zu müssen um relevant zu sein, was einen immer mehr von der realen Welt entfernt und wie im 2. Punkt erwähnt die Perspektive nimmt, sich auf das eigentlich Wesentliche zu konzentrieren. Man macht Musik und will gehört werden. Das ist eine Last. Diese darf dich aber nicht verzehren. Auch abseits der Musik gibt es noch viel wichtigere Dinge im Leben wie Familie, Freundschaft und eben die Gesundheit, die man nicht aufs Spiel setzen sollte wegen ein paar Likes auf ein Foto, das spätestens in einer Stunde wieder in Vergessenheit geraten ist.

Unsere Gesundheit nehmen wir gerne selbstverständlich. Meistens so lange bis wir krank werden, uns schlecht fühlen und uns wünschten wir hätten mehr auf uns selbst geachtet.

Es ist sinnvoll häufig zu reflektieren, darüber nachzudenken und sich bewusst zu machen welche Auswirkungen das Internet, unsere Technik und die sozialen Medien auf unser im Vergleich simples Gehirn haben und wenn es schreit, sollte man darauf hören und einen Schritt zurück setzen.

Davon geht die Musikkarriere nicht kaputt, auch wenn Zeit kostbar ist, für die Gesundheit muss sie genommen werden, ansonsten verliert man viel mehr davon als einem lieb ist.

Das waren mein Standpunkte bzw. meine Haltung zu den Sozialen Medien und warum ich sie als Musiker nicht verwende.

Ich hoffe du konntest etwas daraus mitnehmen, es geht nicht darum irgendwen davon zu überzeugen auf Social Media fürs Marketing zu verzichten. Ich erkenne den Business-technischen Wert definitiv an und würde ja sonst auch selbst keine Inhalte auf YouTube stellen.

Ich möchte nur ein Bewusstsein schaffen, für gewissenhaften und intentionalen Umgang mit sehr mächtiger Technik, die vereinnahmen kann und unter Umständen sogar Leben zerstören kann.

Unterm Strich geht es ja immer noch um die Musik.

Ich sage danke für deine Zeit, mich würden auf jeden Fall deine Erfahrungen mit Social Media interessieren, schreib mir gerne ein Kommentar unter den Beitrag, würde mich freuen.

Bis zum nächsten Mal. Ciao!

Thomas

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